Was ist Archäologie?


Die Archäologien, denn es gibt ja ein breites Spektrum, in dem die Klassische Archäologie ein Teil ist, sind Geisteswissenschaften.

In letzter Konsequenz ist ihr Forschungsziel immer der Mensch.

Sie gehören in den großen Kanon der philosophischen Fächer und sind meiner Meinung nach ein wesentlicher Teil der Geschichtsschreibung.

Im Gegensatz zum „herkömmlichen Historiker“ sind für den Archäologen aber nicht die Schriftquellen, sondern die materiellen Hinterlassenschaften Ausgangspunkt der Forschung.

Dies ist ein wichtiger Gesichtspunkt.

Die Unterschiede zwischen den Fächern dürfen keine unüberschreitbaren Grenzen, sondern nur unterschiedliche Herangehensweisen sein, die aber letztlich in dasselbe Ziel münden: Eine mögliche Rekonstruktion und das Verständnis der menschlichen Kulturgeschichte.

Die Klassische Archäologie hat sich – langsam, aber immerhin – dahin entwickelt: Von einer Kunstgeschichte der Antike zur Kulturgeschichte.

Ich fasse den Kulturbegriff so weit wie möglich auf – als Pendant zum Begriff der Natur. In diesem Sinn ist Kultur alles, was vom Menschen erschaffen oder geprägt ist – sein Denken, Handeln und Sprechen ebenso wie seine Bauten, seine Schriften, seine Kunstwerke oder seine Eingriffe in die Umwelt.

So verstanden ist die politische Geschichte als wesentlicher Kern der
herkömmlichen Geschichtsschreibung ebenfalls ein Teilgebiet der Kulturgeschichte.

Ein Archäologe ist immer ein Historiker, selbst wenn er hoch spezialisiert und seine ganze Konzentration zum Beispiel auf Keramik gerichtet ist.

Blick über Tempelruinen in orientalischer Stadt, dazwischen vereinzelte Bäume, dahinter am Horizont ein Gebirgszug
Arbeitsplatz eines Archäologen: Blick über römische Tempel in Baalbek, Libanon

Arbeitsweise eines Archäologen

Ein Archäologe arbeitet von einem Punkt aus. Das kann ein Objekt wie eine Statue oder ein Gefäß sein, eine Ausgrabungsstätte, ein Bauwerk oder ein Ort.

Es kann aber auch ein Sachverhalt sein, eine historische Situation oder eine Idee.

Um diesen Punkt zu bestimmen, ihn zu beschreiben, zu datieren und zu interpretieren vergleicht der Archäologe seinen Punkt mit anderen Punkten und kann im besten Fall ein Netz aus Beziehungen herstellen.

So entsteht Geschichtsschreibung aus materiellen Quellen, die immer wichtiger wird, weil viele Kulturen keine oder nur wenige Schriften hinterlassen haben.

Darüber hinaus wird in den Schriften der Alltag, das Leben der unteren Schichten und die Nutzung der Umwelt kaum thematisiert.

Auch hier schließt die Archäologie wichtige Lücken.

Philosophie der Archäologie

Archäologie fängt mit einer Ausgrabung erst an, die meiste Arbeit ist Denkarbeit und wird oft in der Bibliothek geleistet.

Hier beginnt auch eines meiner wichtigsten Interessen:

Die Philosophie der Archäologie.

Um seinen Gegenstand richtig durchdenken zu können, braucht ein Archäologe die passenden Begriffe, und damit man in einer Diskussion nicht aneinander vorbeiredet, müssen diese Begriffe genau bestimmt sein.

Was meint man denn damit, wenn zwei Objekte sich ähneln?

Was folgt daraus, dass sie sich gleichen?

Und was bedeutet das Wort „zeitgleich“?

In der Archäologie kann das bedeuten „aus dem gleichen Jahr“, aber auch „aus dem gleichen Jahrhundert“.

Meine Forschungsschwerpunkte

Mein Arbeitsschwerpunkt ist die Architektur.

Als Archäologe beschäftige ich mich aber weniger mit Fragen zur Konstruktion und zur Bauplanung, sondern vielmehr mit der Semantik eines Bauwerks, mit seiner Stellung innerhalb einer Stadt, seiner gesellschaftlichen Bedeutung und seiner Nutzungsabläufe.

Ich untersuche Bauprozesse im Hinblick darauf, dass sie ein Ausdruck menschlicher Schaffenskraft und gesellschaftlicher Bedürfnisse sind.

Klassische Archäologie: Überreste römischer Architektur
Blick in den Hexagonalhof des Jupiterheiligtums mit Überresten der arabischen Festung
in Baalbek, Libanon.

Ein Tempel zum Beispiel ist Ausdruck der Religiosität seiner Auftraggeber und Nutzer, er braucht aber auch ökonomisches Potential sowie handwerkliche Kompetenz zu seiner Errichtung, und die Verwendung derselben basiert in der Regel auf einer politischen Entscheidung.

Für all diese sich gegenseitig bedingenden Prozesse ist der Tempel sowohl Zeugnis als auch Ausdrucksform.

Faszinierend ist für mich dabei die Frage, inwieweit sich individuelle Abläufe rekonstruieren lassen.

Allzu oft werden in der Archäologie Abläufe wie Gesetzmäßigkeiten beschrieben, denen sich die Akteure historischer Prozesse zu unterwerfen haben.

Menschen aber sind keine Maschinen, keine Roboter, die eine einmal vorgegebene Form stets gleich reproduzieren.

Im Fall der Architektur heißt dies, dass Handwerker während ihrer Arbeit Entwicklungen vollziehen, Fehler machen, in ihrer Schaffenskraft nachlassen oder auch einfach nur spielen wollen.

Diese Abweichungen von der Norm zu finden, hat einen ganz besonderen Reiz für mich.

Mehr über meine Forschungsschwerpunkte und Interessen